Ernährung des Grünen Leguans
Was fressen Grüne Leguane in der freien Natur?
Grüne Leguane ernähren sich in der freien Natur fast ausschließlich von pflanzlicher Kost. Sogar Jungtiere, die in älteren Publikationen als „Gemischtköstler“ oder „Allesfresser“ beschrieben wurden, müssen nach neueren Erkenntnissen als (fast) reine Vegetarierer angesehen werden. Nur ganz wenige Freilandbeobachtungen zeugen von der Aufnahme von Insekten. Diese muß somit als absolute Rarität angesehen werden. Blätter von Bäumen und Büschen stellen den Hauptteil der Nahrung dar. Desweiteren werden Blüten und Früchte (aber in deutlich geringeren Mengen) aufgenommen.
Grüne Leguane nehmen sehr viele verschiedene Futterpflanzen zu sich. Der Unterschied zur menschlichen Eßgewohnheit besteht aber darin, daß die Tiere die unterschiedlichen Futtermittel nicht über einen oder einige Tage verteilt aufnehmen, sondern je nach jahreszeitlichen Angebot. So kann es passieren, daß die Tiere einige Tage bis Wochen nur eine bestimmte Futterpflanze fressen um dann auf eine andere „umzusteigen“.
Was sollten Grüne Leguane in der Obhut des Menschen fressen?
Auch wenn einige Leguane gerne so ziemlich alles fressen, was der menschliche Haushalt zu bieten hat (Pommes frites, Kartoffelchips, Käse, Fleisch, Hundekuchen, Dosenfutter für Hunde und Katzen, Torte, Kekse, Schokolade, ...), sind diese „Futtermittel“ absolut ungeeignet, die Tiere langfristig gesund zu ernähren! Der „Aberglaube“, Tiere wissen was gut für sie ist und fressen nur das, was ihnen nicht schadet, hat schon sehr vielen Grünen Leguanen das Leben gekostet.
Entsprechend ihrer natürlichen Nahrung sollte den Tieren eine ballaststoffreiche und „voluminöse“, rein pflanzliche Nahrung angeboten werden. Blätter und Kräuter sollten den Großteil der Futterration ausmachen; Früchte maximal 10 %. In den Sommermonaten sollte (fast) ausschließlich das gefüttert werden, was natürliche (nicht „überdüngte“) Wiesen (sogenannte Magerwiesen) anbieten: Löwenzahn, Spitzwegerich, Breitwegerich, Wiesenkerbel, Vogelmiere, Brunnenkresse, verschiedene Ampfersorten, Taubnessel, Brennessel, Klee, verschiedene Gräser, usw. Außerdem fressen Grüne Leguane gerne Wein-, Himbeer und Brombeerblätter. Als „Leckerbissen“ können verschiedene Blüten (Löwenzahn, Gänseblümchen, Hibiskus, Kamille, Ringelblume) gereicht werden. Ergänzend könne geraspelte Möhren sowie Keimlinge bzw. Sprossen unter das Futter gemischt werden. Diese können entweder auf Keramikuntersetzern oder in kommerziell zu erwerbenden Keimapparaten gezogen werden. Bewährt haben sich gekeimter Weizen und Leinsamen sowie Kresse, Sonnenblumenkerne, Alfalfa, Erbsen und Linsen. Den Keimlingen kommt in den Wintermonaten eine ganz besondere Bedeutung zu, da jetzt das Angebot an frischen Futterpflanzen von der Wiese fast gänzlich erlischt. Aus diesem Grund wird man nicht umhinkommen, Salate und Gemüse aus dem „Supermarkt“ zuzufüttern. Angeboten werden können auch frische Kräuter wie Basilikum, Pimpinelle oder Petersilie. Hierbei sollte darauf geachtet werden, daß sich die Tiere nicht auf eine bestimmte Sorte „einschießen“. Einige Salat- und Gemüsesorten können zwar gut in kleinen Mengen verfüttert werden, könnten aber bei der Aufnahme größerer Rationen über einen längeren Zeitraum Schaden anrichten. So sind beispielsweise viele Salatsorten stark mit Nitrat belastet (Herabsetzung der Sauerstofftransportkapazität im Blut), Spinat enthält größere Mengen an Oxalsäure (Beeinträchtigung des Blutkalziumspiegels) und einige Kohlsorten sind reich an Glykosiden (stehen im Verdacht die Schilddrüsenfunktion zu beeinträchtigen).
Muß das Futter noch weitergehend ergänzt werden?
Zusätzlich zum normalen Futter müssen Grünen Leguanen Vitamine und Mineralien (v. a. Kalzium) verabreicht werden. Als besonders problematisch erweist sich immer wieder die Versorgung mit Kalzium und Vitamin D3. Kalzium kann in Form von „Mineralpulvern“, als geriebene Eierschale oder als geriebene Sepiaschale über das Futter gegeben werden. Bis heute gibt es kaum Hinweise, daß eine „Überversorgung“ mit Mineralien (von exessiven Gaben abgesehen) bei Reptilien negative Auswirkungen hat. Im Gegensatz dazu sind Fälle von Vitaminüberdosierungen sehr gut bekannt und dokumentiert. Aus diesem Grund sollte bei der Vitamingabe keinesfalls nach dem Motto: „Viel hilft viel“ vorgegangen werden! Nach der neueren Literatur können als Richtwert für Vitamin D3 50 bis 100 I.E. (internationale Einheiten) pro kg Körpermasse und Woche angsehen werden. Als weitere unverzichtbare Maßnahme zur Vermeidung von Störungen des Kalziumstoffwechsels ist die regelmäßige Bestrahlung der Tiere mit ultravioletter Strahlung (UV-Licht) anzusehen.
Brauchen Grüne Leguane Trinkwasser?
Auch wenn Grüne Leguane mit ihrer Nahrung viel Wasser aufnehmen, muß ihnen jederzeit Zugang zu sauberem Trinkwasser gewährt werden. Bei einer Wasserunterversorgung kann es zu schwerwiegenden inneren Erkrankungen der Tiere kommen. Auf besondere Hygiene der Trinkgefäße ist zu achten, da der Kotabsatz bei Grünen Leguanen in freier Natur i. d. R. über Wasserflächen erfolgt. Aus diesem Grund „mißbrauchen“ die Tiere in Gefangenschaft häufig ihren Wassernapf als „Toilette mit Wasserspülung“.
Auf den Punkt gebracht
Grüne Leguane sind (fast) reine Pflanzenfresser.
In der Natur nehmen sie überwiegend „voluminöse“, rohfaserreiche Pflanzenteile (v. a. Blätter) auf.
Da die im natürlichen Verbreitungsgebiet des Grünen Leguans wachsenden Bäume und Sträucher bei uns nicht vorkommen, müssen wir den Tiere eine ihrer natürlichen Nahrung möglichst nahekommende Fütterung anbieten.
Vor allem in den Sommermonaten bietet uns die Natur eine große Vielfalt an geeigneten Futterpflanzen.
Bereiten wir unseren Pfleglingen hieraus eine möglichst abwechslungsreiche und vielgestaltige Fütterung.
Weitere nützliche Informationen finden sich in: Gunther Köhler (1998). „Der Grüne Leguan – Biologie, Pflege, Zucht, Erkrankungen“. Herpeton, Verlag Elke Köhler, Offenbach.
