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Vögel - Megabakterien

Was sind „Megabakterien“?

Megabakterien sind Mikroorganismen, die sich unter dem Mikroskop wie riesengroße Bakterien darstellen (daher der Name). Mittlerweile weiß man aber, daß es sich nicht um Bakterien, sondern um Pilze (Hefen) handelt. Der wissenschaftliche Name des Erregers lautet Macrorhabdus ornithogaster; einige Autoren benutzen auch den Namen Megarhabdus ornithogaster. Im angloamerikanischen Sprachraum wird der Erreger auch als „AGY“ (Avian Gastric Yeast) bezeichnet. Da sich aber der Name „Megabakterien“ im deutschsprachigen Raum „etabliert“ hat, wird er im Folgenden auch benutzt.

Welche Vögel sind von einer Infektion mit „Megabakterien“ betroffen?

Bis heute wurden „Megabakterien“ bei weit mehr als 80 verschiedenen Vogelarten nachgewiesen. Krankheitsfälle sind aber überwiegend bei Wellensittichen, Agaporniden, einigen weiteren kleineren Pagageienarten und Kanarienvögeln beschrieben.

Wie infizieren sich Vögel mit „Megabakterien“?

Die Übertragung auf Jungvögel findet in erster Linie beim Füttern durch die Elterntiere statt. Ältere Tiere infizieren sich hauptsächlich beim Schnäbeln (was durchaus auch bei gleichgeschlechtlichen Tieren stattfindet), bei der oralen Aufnahme von erregerhaltigem Kot und über kontaminiertes Trinkwasser.

Wird ein infizierter Vogel automatisch krank?

Nein! Nicht jeder Vogel, auch nicht jeder kleine Papagei bzw. jeder Kanarienvogel, der mit „Megabakterien“ in Kontakt kommt, muß unbedingt erkranken. Es gibt wahrscheinlich viele Vögel, die den Erreger „in sich tragen“ aber nie Krankheitssymptome entwickeln. Wenn der Patient Krankheitssymptome entwickelt, können diese in vielen Fällen erst Monate bis Jahre nach der Infektion auffallen.

Welche Krankheitszeichen zeigen Vögel, die an „Megabakteriose“ erkranken?

Das „klassische“ Krankheitsbild der „Megabakteriose“ ist das sogenannte GLS (Going Light Syndrom), was nichts anderes bedeutet, als daß die Vögel trotz bestehender – in vielen Fällen sogar stark vermehrter – Futteraufnahme immer mehr abmagern und schließlich verhungern, bzw. aufgrund ihrer Auszehrung und Schwächung an Sekundärinfekten sterben. Bei einigen dieser Vögel werden im Kot unverdaute Futterkörner beobachtet.

Mittlerweile fallen aber viele Patienten durch andere Symptome auf. Oft stehen Erbrechen/Würgen, Durchfall und Teilnahmslosigkeit (auch bei unveränderter Futteraufnahme und unveränderter Körpermasse) im Vordergrund. Ganz im Gegensatz zum GLS werden auch viele Patienten mit Appetitmangel vorgestellt.

Warum erkrankt der eine Vogel und der andere nicht?

Diese Frage kann bis heute nicht abschließend beantwortet werden. Es gibt erste Vermutungen, daß eventuell eine Koinfektion mit einem zweiten Mikroorganismus zum Ausbruch der Krankheit führt. Diese Theorie konnte aber bis heute nicht bewiesen werden. Oft zu beobachten und gut dokumentiert ist, daß die Krankheitssymptome v.a. nach Streßsituationen ausbrechen.

Was passiert, wenn ein Vogel an „Megabakteriose“ erkrankt?

„Megabakterien“ befallen in erster Linie den Drüsenmagen des Vogels. Hierdurch wird eine massive Verdauungsstörung ausgelöst, die im Falle des GLS das Abmagern der Tiere, aber auch das Erbrechen/Würgen bzw. den Durchfall erklärt. Oft kommt es durch die Schwächung der Tiere zu Sekundärinfektionen v.a. mit Bakterien.

Wie können „Megabakterien“ nachgewiesen werden?

Der Nachweis gelingt mikroskopisch in erster Linie im Kot. Man muß davon ausgehen, daß der Erreger jedoch nicht kontinuierlich ausgeschieden wird. Deshalb können „Megabakterien“ manchmal in einer Sammelkotprobe, die über mehrere Tage gesammelt wurde, nachhgewiesen werden, auch wenn die Untersuchung eines frischen Kotbällchens bzw. eines Kloakenabstrichs negativ verlaufen ist. In wenigen Fällen können „Megabakterien“ auch aus dem Kropf isoliert werden.

Der Nachweis des Erregers ist auf jeden Fall als Beweis für eine Infektion des Patienten anzusehen; der Nicht-Nachweis – auch bei wiederholten Untersuchungen – kann leider nicht ausschließen, daß der Patient nicht doch mit „Megabakterien“ infiziert ist. Selbst bei schwer erkrankten Vögeln ist es am lebenden Tier manchmal nicht möglich, den Erreger nachzuweisen. Nur die feingewebliche-mikroskopische Untersuchung durch den Pathologen kann mit sehr großer Wahrscheinlichkeit das „Freisein“ von „Megabakterien“ nachweisen.

Welche Therapiemöglichkeiten gibt es?

Bis heute gibt es leider nur einen Wirkstoff, der eine Wirksamkeit gegen „Megabakterien“ gezeigt hat. Dieser kann in flüssiger Form als Ampho-Moronal® 4 Wochen in den Schnabel eingegeben werden. Es besteht auch die Möglichkeit, denselben Wirkstoff (Amphotericin B) in einer anderen Zubereitung als Pulver über die Apotheke (Rezeptpflicht) zu beziehen und dann ins Trinkwasser zu mischen. Auch hier sollte 4 Wochen behandelt werden. Während der gesamten Behandlungsdauer darf keine weitere Trinkwasserquelle zur Verfügung stehen. Der Vorteil der Trinkwasserbehandlung besteht darin, daß der Patient nicht 2 mal täglich eingefangen werden muß; der Nachteil darin, daß die aufgenommene Wirkstoffmenge nicht kontrolliert werden kann und die Wirkstoffkonzentration im Trinkwasser eher gering ist.

Sollten nur die erkrankten Vögel behandelt werden?

Hierüber wird bis heute kontrovers diskutiert. Da die Schwere der Symptomatik wahrscheinlich mit der Menge an Errergern im Verdaungstrakt des erkrankten Vogels zusammenhängt, ist in einigen Fällen eine Behandlung von Partner-/Kontakttieren empfehlenswert. Auf jeden Fall müssen alle Kontakttiere als potenziell infiziert angesehen werden.

Welche unterstützenden Maßnahmen für die Behandlung gibt es?

Vögel, bei denen „Megabakterien“ nachgewiesen wurden oder die im Verdacht stehen, „Megabakterien“ in sich zu tragen, sollten keine zuckerhaltigen Futtermittel (Obst, Knabberstangen, Kekse, …) bekommen, da Zucker die Vermehrung von Pilzen begünstigt. Das Ansäuern des Trinkwassers mit Apfelessig (1 ml Apfelessig auf 50 ml Trinkwasser) hat sich als positiv erwiesen. Sofern mit Amphotericin B über das Trinkwasser behandelt wird, darf das Trinkwasser aber nicht angesäuert werden.

Was ist nach dem Nachweis von Megabakteien zu bedenken?

Jeder Vogel, der direkten oder indirekten Kontakt mit einem infizierten Vogel hatte, muß als potenzieller Überträger von „Megabakterien“ angesehen werden. Auch wenn der „Kontaktvogel“/die „Kontaktvögel“ mit Amphotericin B behandelt wurde(n) und mehrfach im Kot keine „Megabakterien“ nachweisbar waren, kann nicht 100 % sicher ausgeschlossen werden, daß der Vogel/die Vögel nicht doch irgendwann „Megabakterien“ ausscheidet/ausscheiden bzw. selbst erkrankt/erkranken.

Es gibt Stimmen die behaupten, daß sowieso jeder(!) Wellensittich mit „Megabakterien“ infiziert ist. Was sollte man davon halten?

Diese Behauptung muß sehr stark angezweifelt werden. Bei der pathologischen Untersuchung gestorbener Vögel wird – unabhängig von der vermuteten Todesursache – routinemäßig der gesamten Verdauungstrakt feingeweblich-mikroskopisch untersucht. In sehr vielen Fällen sind dabei keine „Megabakterien“ nachweisbar.

Wie kann man vorsorgen?

Auch wenn der Nicht-Nachweis des Erregers nicht 100 % sicher ausschließt, daß ein Vogel doch Träger von „Megabakterien“ ist, sollte von jedem kleinen Papagei/Kanarienvogel vor der Aufnahme in einen Bestand eine Sammelkotprobe (die über mindestens 3 Tage gesammelt wurde) untersucht werden.

Auf den Punkt gebracht

„Megabakterien“ stellen heute leider ein nicht zu unterschätzendes Problem bei der Haltung und der medizinischen Betreuung von kleinen Papageienarten und Kanarien-vögeln dar

Der Nachweis des Erregers ist beweisend, der Nicht-Nachweis kann einen Infekt nicht mit Sicherheit ausschließen

Die Krankheitsanzeichen sind mittlerweile deutlich vielfältiger als die des „Going Light Syndroms“

Zur Behandlung steht bis heute nur ein Wirkstoff zur Verfügung

Von jedem kleinen Papagei/Kanarienvogel sollte vor der Neuvergesellschaftung eine Sammelkotprobe untersucht werden


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